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Speicherkrise trifft Beschaffung: Wer Verträge hat, gewinnt

Themengebiete: Speicherpreise, DRAM, Beschaffung, europäische Wertschöpfung, IT-Hardware, Resilienz

Server-DRAM wird 2026 langsamer teurer, aber nur für Kunden mit Rahmenverträgen. Wer keine hat, zahlt nicht nur mehr, sondern steht 2027 möglicherweise ganz ohne Zuteilung da.

Autor: : ITE-Redaktion

Veröffentlicht: 10. September 2026

Server-DRAM wird im dritten Quartal 2026 nur noch um 13 bis 18 Prozent teurer, nachdem die Preise im ersten Quartal noch um bis zu 95 Prozent gesprungen waren. Das klingt nach Entspannung, ist aber vor allem eine Frage, für wen. Laut TrendForce1 haben sich mehrere US-amerikanische Cloud-Anbieter mehrjährige Rahmenverträge gesichert, die sie ausdrücklich vor weiteren Preissteigerungen schützen. Für alle anderen bleibt der Markt so volatil wie zuvor.

Zwei Klassen von Käufern

Diese Rahmenverträge, im Branchenjargon Long-Term Agreements oder LTA, koppeln eine garantierte Liefermenge an einen gedeckelten Preis. Für Hyperscaler mit Milliardenbudgets ist das Verhandlungssache. Für den europäischen IT-Mittelstand ist es das nicht. Das Hosting-Unternehmen hosttech formuliert das Problem so 2: „Während Amazon, Google und Microsoft langfristige Lieferverträge mit Samsung, Micron und SK hynix abschließen können, landen kleinere Unternehmen in der Beschaffungskette weiter hinten.“

Wer keine solchen Verträge hat, kauft zu Spot- oder kurzfristigen Vertragspreisen, aus dem, was übrig bleibt.

Das ist in Deutschland längst keine abstrakte Zahl mehr. Der Hosting-Anbieter Hetzner erhöhte seine Preise für Cloud- und Dedicated-Server zum 1. April 2026 um 30 bis 37 Prozent und nannte gestiegene Kosten für IT-Komponenten als ausdrücklichen Grund3. Bei OVH lagen die Kostensteigerungen bei 40 bis 67 Prozent, beim Berliner Anbieter Serverdiscounter bei 5 bis 11 Prozent, in beiden Fällen direkt mit den Hardwarekosten begründet4.

2027 könnte enger werden als 2026

Nach Einschätzung von TrendForce1 wächst das Angebot an RDIMM-Speicherbausteinen 2027 nur um 15 bis 20 Prozent, deutlich langsamer als die erwartete Nachfrage aus dem Servergeschäft. Eine neue Server-DRAM-Knappheit gilt in der Branche bereits als wahrscheinlich, noch bevor sich die aktuelle Lage überhaupt vollständig normalisiert hat. Für Ihre Beschaffung heißt das: Wer nur auf den Preis schaut, übersieht das größere Risiko. Sobald Angebot und Nachfrage wieder auseinanderlaufen, entscheidet nicht mehr, wer am meisten zahlt, sondern wer überhaupt beliefert wird, allen voran, wer über Rahmenverträge verfügt.

Europas eigene Fertigungslücke

Diese Abhängigkeit ist auch eine Standortfrage. Der EU Chips Act und die kürzlich ausgewählten deutschen IPCEI-Halbleiterprojekte5 zielen auf Logikchips, KI-Beschleuniger und Leistungselektronik, nicht auf Speicherfertigung. Europas Anteil an der weltweiten DRAM- und NAND-Produktion liegt nach Brancheneinschätzungen nahe null. Erste Gegenbewegungen wie die Kooperation der TU-Dresden-Ausgründung Ferroelectric Memory Company mit Neumonda6 zu nicht-flüchtigem Speicher zeigen, dass es grundsätzlich Alternativen gibt, sie befinden sich aber noch in einer frühen Entwicklungsphase und damit weit von Marktrelevanz entfernt.

Was jetzt zu tun ist

Einzelne mittelständische Unternehmen haben in einer solchen Marktlage kaum Verhandlungsmacht, ein Netzwerk europäischer Hersteller und Beschaffer schon eher. Der ITE – Verein für IT aus Europa möchte mit seinem Netzwerk künftig gebündelte Nachfrage, z. B. in Form von Einkaufsgemeinschaften, als Antwort auf eine Beschaffungslage, in der zunehmend die Verhandlungsmacht über Verfügbarkeit entscheidet, nicht nur der Preis. Wer seinen Speicherbedarf für die kommenden Quartale schon jetzt plant, statt kurzfristig am Spotmarkt zu kaufen, verschafft sich einen Vorsprung, den der Markt 2027 vermutlich noch knapper bemessen wird.

Quellen

  1. TrendForce, „Long-Term Agreements Cap Price Increases; Server DRAM Contract Prices Expected to Rise 13-18% QoQ in 3Q26″, 09.07.2026, trendforce.com
  2. hosttech, „RAM-Knappheit 2026: Ursachen, Folgen und was sie für dich bedeutet“, hosttech.at
  3. Dr. Web, „Warum steigen die Speicherpreise 2026 wieder?“, 30.06.2026, drweb.de
  4. expert-zoom.com, „RAM-Preise 2026: +440% – wann ein IT-Experte hilft“, 11.05.2026, expert-zoom.com
  5. BMWE, „IPCEI Halbleiter: 38 deutsche Projekte für europäisches Schlüsselprogramm ausgewählt“, 19.03.2026, bundeswirtschaftsministerium.de
  6. Evertiq, „Can memory manufacturing return to Germany? Neumonda lays out its case“, 29.01.2026, evertiq.com

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