ITE-Statement
Kategorie: Politik
IPCEI-Halbleiterprojekte: Souveränität wird konkret
Aus einer politischen Ankündigung wird ein reales Vorhaben. Ob daraus tatsächlich neue Fertigungskapazität in Europa entsteht, entscheidet sich jetzt tatsächlich in Brüssel und in den Länderhaushalten, nicht mehr nur auf dem Papier.
Worum es geht
ITE-Kommentar
Unsere Einordnung
Mit der Einreichung der ersten 14 IPCEI-AST-Projekte verlässt die europäische Halbleiterförderung die Ankündigungsphase. Es handelt sich um die dritte Generation eines Instruments, dessen bisherige Bilanz gemischt, aber an entscheidender Stelle positiv ausfällt. Die erste Runde (IPCEI Mikroelektronik, 2018 bis 2021) mobilisierte rund 1,9 Milliarden Euro Staatsmittel für 27 europäische Unternehmen. Laut offiziellem Abschlussbericht des vom Bund beauftragten Projektträgers entstanden daraus in Deutschland vier neue oder ausgebaute Chipfabriken, darunter GlobalFoundries und Infineon in Dresden, dazu rund 2.500 neue Arbeitsplätze und über 500 angemeldete Patente.
Wichtig für die Einordnung: IPCEI AST fördert Chipdesign, Wafer-Fertigung und Packaging, also die Ebene der Halbleiterhersteller und Foundries selbst. Es fördert nicht den Bau von PCs, Servern oder Thin Clients. Für europäische Systemhersteller entsteht der Nutzen daher nicht über neue Fördermittel oder direkt einbaufertige Prozessoren, sondern mittelbar: über stabilere, europäisch verfügbare Lieferketten für die Komponenten, die sie ohnehin einkaufen. Der bereits realisierte, vollständig europäische Chip-Fertigungsflow von GlobalFoundries und Qualinx in Dresden zeigt, wie tragfähig diese vorgelagerte Struktur inzwischen ist.
Die zweite Runde (IPCEI ME/KT, 2023 bis 2029) zeigt zugleich, dass Förderzusage und Umsetzung zwei unterschiedliche Dinge sind. Die geplante Wolfspeed/ZF-Fabrik für Siliziumkarbid-Halbleiter im Saarland war beihilferechtlich genehmigt und mit Bundes- und Landesmitteln unterlegt, wurde 2024 aber von den Partnern selbst auf unbestimmte Zeit verschoben, ausgelöst durch die wirtschaftliche Schieflage von Wolfspeed und schwächere Marktnachfrage. Erfolgreich war das Instrument bislang vor allem dort, wo wie in Sachsen bereits ein gewachsenes Halbleiter-Ökosystem bestand, weniger dort, wo es von der wirtschaftlichen Verfassung eines einzelnen Unternehmens abhing.
Für die IPCEI-AST-Projekte bedeutet das eine differenzierte statt pauschale Prognose. Wo Vorhaben an bestehende Standorte und Lieferketten anschließen, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit auf Basis der bisherigen Erfahrung hoch. Der Bundesrechnungshof hatte zudem bereits 2023 kritisiert, dass weitere Fördermilliarden eingeplant wurden, bevor die Wirkung der ersten Runde durch eine belastbare Erfolgskontrolle überprüft war. Der ITE erwartet daher, dass diese Kontrolle bei IPCEI AST von Anfang an mitläuft und Fortschritt an tatsächlich errichteten Fertigungskapazitäten gemessen wird, nicht an bewilligten Fördersummen.
Rund 10 Milliarden Euro Investitionsvolumen allein in Deutschland sind erheblich, im globalen Maßstab aber weiterhin maximal ein kleiner Schritt. Die bisherige Bilanz aus zwei Förderrunden rechtfertigt vorsichtigen Optimismus, keinen automatischen.


