ITE-Statement
Kategorie: Markt
Halbleiterbedarf verdoppelt sich: Europa muss handeln
Die Zahlen sind eindeutig: Europa braucht deutlich mehr Halbleiter, als es produziert, und diese Lücke wächst. Wer digitale Souveränität ernst nimmt, muss sie in der Hardwarebeschaffung verankern. Nicht erst, wenn die nächste Lieferkettenkrise eintritt.
Worum es geht
ITE-Kommentar
Unsere Einordnung
Die ZVEI-Studie liefert, was politischen Debatten über digitale Souveränität oft fehlt: konkrete Zahlen. Europas Halbleiterbedarf verdoppelt sich bis 2040, der Industriebedarf steigt sogar um den Faktor 2,4. Das ist kein abstraktes Risikoszenario, sondern eine nachfragegetriebene Prognose auf Basis realer Industriedaten aus Deutschland und den Niederlanden. Und sie erscheint nicht zufällig in der Woche vor dem EU-Tech-Souveränitätspaket: Sie soll den wirtschaftlichen Handlungsdruck sichtbar machen, den Regulierung allein nicht erzeugen kann.
Für den ITE ist diese Datenlage ein wichtiger Referenzpunkt. Digitale Souveränität ist keine Frage der Symbolpolitik, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit mit Hardware. Wer europäische IT-Infrastruktur betreiben oder beschaffen will, ist auf Halbleiter angewiesen und wer dabei zu über 90 Prozent von außereuropäischen Produktionskapazitäten abhängig ist, hat strukturell kein Fundament für Souveränität, egal wie gut die Software darüber ist. Die Studie macht deutlich, wo die eigentliche Engstelle liegt: nicht in der Nachfrage, die ist vorhanden und wächst, sondern in der Fähigkeit, sie mit europäischer Wertschöpfung zu bedienen.
Bemerkenswert an der Studie ist ihre pragmatische Stufenlogik. Sie schlägt nicht vor, morgen vollständige Chipfertigung in Europa aufzubauen, sondern empfiehlt einen Einstieg dort, wo die Wertschöpfung hoch und der Kapitalbedarf vergleichsweise überschaubar ist: Chipdesign und Advanced Packaging. Das ist ein realistischer Weg und einer, der für europäische IT-Unternehmen konkrete Chancen eröffnet, wenn er konsequent mit Beschaffungspolitik verknüpft wird. Denn ohne aktive Nachfrage durch öffentliche und private Auftraggeber, die europäische Hardware gezielt bevorzugen, wird kein Investitionsanreiz entstehen.
Genau hier setzt der ITE an. Das Netzwerk verbindet IT-Anbieter, Beschaffungsstellen und Politik, um europäische IT transparent, vergleichbar und beschaffbar zu machen. Die Frage, welcher Anteil an Wertschöpfung tatsächlich in Europa stattfindet, ist für Hardware genauso relevant wie für Software und Cloud. Lieferketten, Fertigungsstandort, Komponentenherkunft: Das ITE-Gütesiegel IT aus Europa, das sich derzeit in der Betaphase (Stand: Juni 2026) befindet, wird genau diese Kriterien in einen überprüfbaren Rahmen überführen. Als Orientierung für Entscheider, die nicht erst nach der nächsten Versorgungskrise handeln wollen.


