ITE-Statement
Kategorie: Markt, Politik
KI-Gigafactories: Ausschreibung der EU
Wo europäische Alternativen bei Servern, Racks und Rechenzentrumstechnik längst existieren, darf öffentliches Fördergeld nicht an ihnen vorbei nach Übersee fließen.
Worum es geht
ITE-Kommentar
Unsere Einordnung
Eine KI-Gigafactory ist im Kern ein industriell dimensioniertes Rechenzentrum für künstliche Intelligenz: eine sehr große Zahl spezialisierter KI-Prozessoren, kombiniert mit Hochleistungsnetzwerken, Hochkapazitätsspeicher und den passenden Software- und Cloud-Layern. Genutzt wird diese Infrastruktur zum Trainieren und Betreiben großer KI-Modelle, für Forschung, Behörden, Start-ups und Unternehmen gleichermaßen.
Mit der Ausschreibung für bis zu sieben solcher KI-Gigafactories bringt die EU-Kommission nun ein Beschaffungsvolumen von über 30 Milliarden Euro auf den Weg, davon bis zu 10 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln. Das ist ein ernstzunehmender Schritt zu einer souveränen europäischen Recheninfrastruktur, und die Ausschreibung selbst enthält einen Passus, der aufhorchen lässt: Konsortien dürfen Hardware gezielt bei europäischen Anbietern beschaffen, mit einer eigenen Förderklausel für europäische Start-ups und Scale-ups.
Bei den KI-Prozessoren selbst ist die Abhängigkeit von außereuropäischen Herstellern derzeit kaum vermeidbar. Die Kommission hat deshalb parallel zur Ausschreibung Absichtserklärungen mit AMD, NVIDIA und Qualcomm unterzeichnet, um die benötigten Chips überhaupt verfügbar zu machen. Das ist nachvollziehbar… Eine wettbewerbsfähige europäische GPU-Fertigung existiert im relevanten Zeithorizont schlicht nicht. Aber genau diese Beschaffungsrealität macht den zweiten Teil der Rechnung umso wichtiger.
Server, Racks, Kühlsysteme, Netzwerktechnik und der Bau der eigentlichen Rechenzentren sind keine Bereiche, in denen Europa auf US-Anbieter angewiesen ist. Hier gibt es tragfähige Kapazität, auch innerhalb des ITE-Netzwerks: von individuellen Server- und Storage-Systemen bei Thomas-Krenn über Industrie- und Rack-Infrastruktur bei SCHÄFER IT-Systems bis zum Betrieb souveräner Rechenzentren durch Mitglieder wie Yorizon. Wenn öffentliches Fördergeld der EU in diesen Bereichen trotzdem ins außereuropäische Ausland fließt, ist das keine technische Notwendigkeit, sondern eine Beschaffungsentscheidung. Und jede Milliarde, die bei vermeidbarer Auslandsbeschaffung landet, fehlt am Ende genau dort, wo sie digitale Souveränität eigentlich aufbauen sollte: bei den europäischen Herstellern, die diese Infrastruktur bereits heute liefern können.
Der ITE begrüßt deshalb ausdrücklich, dass die Ausschreibung eine Klausel zur Vermeidung von Lock-in-Effekten bei Zulieferern enthält, wie mehrere Berichte bestätigen. Entscheidend wird sein, wie ernst die auswählenden Konsortien und die EuroHPC JU diese Klausel in der Praxis nehmen. Eine Selbstverpflichtung auf dem Papier reicht nicht, wenn die Vergabepraxis am Ende doch den Weg des geringsten Widerstands geht und bestehende Lieferbeziehungen zu außereuropäischen Großanbietern einfach fortschreibt.
Der ITE fordert die beteiligten Mitgliedstaaten und die EuroHPC JU auf, bei der Auswahl der Konsortien und deren Zulieferern konsequent zu prüfen, wo europäische Wertschöpfung tatsächlich möglich ist, und diese Möglichkeit auch zu nutzen, statt sie als Kann-Bestimmung zu behandeln.


