ITE-Statement
Kategorie: Regulatorik
Cloud Sovereignty Framework: Souveränität in der Vergabe
Souveränität messbar zu machen ist der richtige Schritt, doch entscheidend ist, was als souverän zählt. Das Cloud Sovereignty Framework setzt einen wichtigen Maßstab, muss aber konsequent mit europäischer Wertschöpfung verknüpft werden, nicht nur mit technischen Kontrollanforderungen.
Worum es geht
ITE-Kommentar
Unsere Einordnung
Mit dem Cloud Sovereignty Framework Version 1.2.1 unternimmt die Europäische Kommission erstmals den Versuch, Souveränität in der IT-Beschaffung quantitativ greifbar zu machen. Acht Souveränitätsziele, fünf Assurance-Stufen und ein aggregierter Sovereignty Score, der als Zuschlagskriterium wirken kann: Das ist ein starkes Zeichen gegenüber dem bisherigen Zustand, in dem Souveränitätsanforderungen entweder fehlten oder nicht überprüfbar waren.
Der ITE begrüßt diesen Ansatz! Wer digitale Souveränität ernst nimmt, muss sie auch in Beschaffungsentscheidungen abbilden können, und zwar verbindlich, nicht als Bonuskriterium. Ein Framework, das Souveränität in Vergabeverfahren operationalisiert, schafft genau die Markttransparenz, die europäische IT-Anbieter brauchen, um auf gleicher Augenhöhe mit globalen Hyperscalern bewertet zu werden.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, was der Sovereignty Score tatsächlich misst. Technische Kontrolle über Daten und Systeme ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für echte digitale Souveränität. Wertschöpfung, Qualifikation, Entwicklung und Betrieb müssen ebenfalls in Europa verankert sein. Ein Cloud-Dienst, der formal alle Kontrollanforderungen erfüllt, aber in seinem wirtschaftlichen Kern auf außereuropäischer Infrastruktur, Kapital und Know-how beruht, löst die eigentliche Abhängigkeit nicht auf.
Die Verbindung zwischen CSF und dem geplanten Cloud and AI Development Act sowie dem BSI-C3A-Katalog zeigt, dass hier ein kohärentes Regulierungsgebäude entsteht. Das ist grundsätzlich positiv. Für Beschaffungsstellen und IT-Anbieter in Europa bedeutet das allerdings auch, dass die Anforderungen an Dokumentation, Zertifizierung und Nachweis substantiell steigen werden.
Der ITE setzt sich dafür ein, dass diese Anforderungen so gestaltet werden, dass sie für mittelständische europäische IT-Unternehmen handhabbar bleiben und nicht durch Komplexität faktisch wieder zugunsten großer Anbieter wirken.


