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Business-Hardware aus Europa beim Bitkom-Fachausschuss

Themengebiete: Bitkom, Andreas Schürger, EXTRA Computer, Produktneutrale Ausschreibungen, Öffentliche Beschaffung

Vor dem Bitkom-Fachausschuss zum Thema produktneutrale Ausschreibungen zeigte ITE-Gründungsmitglied Andreas Schürger, dass es Business-Hardware aus europäischer Entwicklung und Produktion deutlich mehr gibt, als die meisten Entscheider wissen. Öffentliche Beschaffung kann diesen Bedarf gezielt steuern.

Autor: : ITE-Redaktion

Veröffentlicht: 9. Juni 2026

Eingeladen vor den Bitkom-Fachausschuss

Am 19. Mai 2026 war der ITE auf Anregung von Intel zu Gast beim Bitkom-Fachausschuss Produktneutrale Ausschreibungen in Berlin. Dieses Gremium erarbeitet Empfehlungen, wie öffentliche und andere Ausschreibungen so gestaltet werden können, dass nicht einzelne Hersteller bevorteilt werden. ITE-Gründungsmitglied Andreas Schürger, Head of Product Management bei der EXTRA Computer GmbH und mit 23 Jahren Mainboardentwicklung für Siemens, Fujitsu-Siemens, Fujitsu und FCCL im Hintergrund, hielt einen Impulsvortrag zur Frage, wo Business-Hardware aus europäischer Entwicklung und Produktion heute tatsächlich steht.

Der inhaltliche Fokus war bewusst gesetzt. Dienstleistungen, Software, Cloud-Lösungen und Halbleiter werden in der europäischen Souveränitätsdebatte breit diskutiert. Bei Business-Hardware, also den Geräten vom PC bis zum Server, fehlt diese Diskussion bislang weitgehend.

Die zentrale Erkenntnis: Es gibt mehr, als gedacht

Vielen Anwesenden war nicht bewusst, wie vielfältig europäische Hardware in diesem Segment heute noch aufgestellt ist. Es kommt eben nicht alles aus Asien oder den USA. Vom PC über Notebook und Workstation bis zum Server gibt es Hersteller, die in Deutschland und Europa entwickeln und endmontieren. Bei den Baugruppen bestehen Produktionsstandorte für Mainboards, RAM-Module und SSDs in Deutschland, Slowenien und Polen. Auch Bauteile wie Flash-Chips und Leiterplatten werden in Europa gefertigt, und bei Halbleitern gibt es mit der Compute-Tile-Produktion von Intel in Irland ein hochwertiges Standbein.

Die Tiefe und das Volumen variieren stark, und nicht jeder Hersteller deckt alle Stufen ab. Aber das Bild europäischer Hardware-Wertschöpfung ist deutlich differenzierter, als es in den meisten Beschaffungsprozessen heute auftaucht.

Souveränität braucht ein ganzes Ökosystem

Andreas Schürgers Kernargument zielte über das einzelne Gerät hinaus. Digitale Souveränität entsteht nicht durch Halbleiterpolitik allein. Damit europäische Halbleiter dauerhaft gefragt sind, müssen europäische Bauteile gefragt sein. Damit Bauteile gefragt sind, braucht es Nachfrage nach europäischen Baugruppen. Und Baugruppen sind nur gefragt, wenn auch fertige Systeme aus Europa gekauft werden. Die Kette läuft also vom Endprodukt nach unten.

Diese Bedarfskette kann die öffentliche Hand spürbar mitsteuern. Andere Wirtschaftsräume tun das längst und ohne Scheu. Die USA fördern lokale Beschaffung über die Buy-American-Logik und strategische Subventionen. China verfolgt mit Made in China 2025 ein ausgesprochenes Programm, die volle Souveränität in der digitalen Wertschöpfung zu erreichen. In Europa konzentriert sich die Diskussion bislang auf den Chips Act und auf Software- und Dienstleistungsthemen. Im Hardware-Bereich fehlen vergleichbare Initiativen weitgehend.

Zertifikate, die kleinere Hersteller faktisch ausschließen

Ein konkretes Hindernis wurde im Vortrag besonders herausgestellt. Anforderungen wie TCO Certified oder EPEAT klingen in Ausschreibungen erst einmal neutral und sinnvoll. Sie sollen Nachhaltigkeit und soziale Kriterien sicherstellen. In der Praxis benachteiligen sie kleinere Hersteller jedoch erheblich. Internationale Konzerne können die Zertifizierungskosten auf Millionen Geräte umlegen, was den Aufwand pro Stück marginal macht. Ein kleinerer europäischer Anbieter, der unter Umständen nur für eine konkrete Ausschreibung anbietet, muss dieselben Kosten auf einen Bruchteil der Stückzahl rechnen. Damit ist er faktisch raus, bevor das Angebot überhaupt geprüft wird.

Nach dem Ende des PC- und Notebook-Geschäfts von Fujitsu gibt es in Europa keine wirklich großen Business-Client-Hersteller mehr. Wer kleinere europäische Anbieter im Markt halten will, muss anders an Nachhaltigkeitskriterien herangehen. Statt bestimmte Label pauschal zu fordern, sollten Ausschreibungen vergleichbare Anforderungen formulieren, die auch ohne den Umweg über skalengetriebene Zertifizierungsverfahren erfüllt werden können. Genau dazu wird der ITE konkrete Vorschläge erarbeiten und in den weiteren Dialog mit Bitkom und Beschaffungspraxis einbringen.

Informieren, Fördern, Fordern

Aus dem Vortrag ergibt sich ein dreiteiliger Handlungsrahmen für öffentliche Beschaffung: informieren, fördern, fordern. Informieren bedeutet, dass Beschaffungsstellen die tatsächlich verfügbaren europäischen Optionen kennen müssen. Fördern bedeutet, gezielt Vorteile für Anteile europäischer Wertschöpfung zu schaffen, etwa über klare Bewertungskriterien. Und fordern bedeutet vor allem, Anforderungen zu vermeiden, die europäische Hersteller systematisch ausschließen.

Der ITE arbeitet an genau diesen drei Strängen. Das mehrstufige Gütesiegel IT aus Europa befindet sich derzeit im Aufbau und durchläuft erste Tests bei Mitgliedern. Ziel ist eine einheitliche, mehrstufige und nachvollziehbare Grundlage zur Bewertung der Tiefe europäischer Wertschöpfung, ergänzt um Aussagekraft zu Nachhaltigkeit und Sicherheitsstandards.

Die Kurzfassung gibt es auf LinkedIn

Eine verdichtete Zusammenfassung des Bitkom-Auftritts hat der ITE bereits auf LinkedIn veröffentlicht (Post auf LinkedIn ansehen). Wer Vortragsfolien oder einen Austausch zu konkreten Beschaffungsfragen sucht, kann sich gerne über die ITE-Kontaktseite melden.

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